Rückblick auf die Infoveranstaltung der Bürgerinitiative Engeraner Land am 28.12.2019

80 interessierte Bürgerinnen und Bürger folgten unserer Einladung zu der Informationsveranstaltung am Samstag, den 28.12.2019. Wir freuen uns, dass so viele Menschen Interesse an unserer Infoveranstaltung und der Bürgerinitiative Engeranerland hatten.
An dieser Stelle möchten wir uns bei dem SV Enger-Westerenger bedanken, dass wir diese Räumlichkeiten nutzen durften, und für seine Unterstützung.

Da an dem Termin zwischen den Jahren sicher nicht alle Interessierte teilnehmen konnten, möchten wir hier einen kleinen Rückblick geben und unsere eigenen Informationen allen zur Verfügung stellen.

Programm der Infoveranstaltung

  1. Ziele und Werte der Bürgerinitiative Engeraner Land
  2. Informationen zur OpenPetition
  3. Informationen zu persönlichen Einwendungen
  4. Informationen zum Genehmigungsverfahren
  5. Wortbeiträge verschiedener Akteure
  6. Diskussion mit zwei anwesenden Landwirte

Ziele und Werte der Bürgerinitiative Engeraner Land

Als wir Anfang Dezember die Bürgerinitiative gründeten, stand für uns ganz klar fest, dass wir dem Leid der Tiere in der Massentierhaltung ein Ende bereiten wollen. Diese Art der Tierhaltung ist aufgrund der immer größer werdenden ökologischen Probleme nicht mehr hinnehmbar.

Wir haben kritische Fragen in Bezug auf den Mastbetrieb bzw. die Massentierhaltung in Enger:

  • Welchen Einfluss hat der Mastbetrieb auf die Immobilienpreise?
  • Welche Gesundheitsschäden sind u.a. durch die erhöhte Feinstaubbelastung zu befürchten?
  • Steigt die Gefahr der Antibiotikaresistenzen?
  • Nimmt die Nitratbelastung des Trinkwassers noch weiter zu?
  • Wie oft müssen wir mit einer Geruchsbelästigung rechnen?
  • Wie wirkt sich der Mastbetrieb wirtschaftlich auf die bäuerliche Landwirtschaft aus?
  • Wie gefährdet sind unser Bolldammbach und der angrenzende Wald durch die Massentierhaltung?
  • Welche Auswirkungen sind auf das Landschafts- und Naturschutzgebiet sowie die dort lebenden Tiere zu erwarten?
  • Ist unsere Engeraner Feuerwehr für die Spezialaufgaben solch einer Massentierhaltung gerüstet?
  • Sind die Verkehrswege für das veränderte Verkehrsaufkommen geeignet? Oder muss der Steuerzahler die eventuell anfallenden baulichen Veränderungen tragen?
  • Wie stark wird der LKW-Verkehr in Enger zunehmen?

Die Erde kann ganz gut ohne uns, aber wir nicht ohne die Erde. Dafür müssen wir die Natur, die Umwelt und die Tiere schützen.

Es gibt vier wichtige Akteure, die Einfluss auf die Situation nehmen können: Die Politik, die Landwirte, der Handel und der Verbraucher!

Unserer Meinung nach hat die Politik eine zentrale Schlüsselrolle und muss die Agrarwende einläuten, um den ökologischen Problemen zu begegnen und den Landwirten eine zukunftsfähige sowie existenzsichernde Landwirtschaft zu ermöglichen.
Die Landwirte müssen umdenken. Und der Handel muss klarer deklarieren und gute Produkte forcieren.

Aber der Verbraucher, heutige und zukünftige Generationen, müssen über die Art und Weise ihres Konsums nachdenken und zum Umdenken motiviert werden!

 

 

Momentan steht eins fest: Der Stall wird gebaut, wenn nicht in Enger, dann anderswo! Es sei denn der Fleischkonsum insbesondere der Hähnchenverzehr sinkt drastisch! Das liegt in der Hand jedes einzelnen Verbrauchers! Also bei uns!

Wir, die Bürgerinitiative Engeranerland, müssen ein deutliches Zeichen gegen die Massentierhaltung und für eine Agrarreform setzen – für eine enkeltaugliche Landwirtschaft. Denn eine auf Masse ausgerichtete Landwirtschaft kann nicht gut für Mensch, Tier, Umwelt und Natur sein. Bäuerliche, vielfältige und nachhaltige Landwirtschaft zur Erhaltung der Biodiversität ist unserer Meinung nach die Lösung.

Die OpenPetition

Um unseren Forderungen Ausdruck zu verleihen, brauchen wir Unterstützung! Wir sammeln für ein erstes Zeichen online Unterschriften, um sie dem Landrat vorzulegen. Wir benötigen vor allem aus dem Kreis Herford 2.100 Unterschriften für das sogenannte Quorum.

Dieses Quorum gibt an, wie viele Unterschriften aus unserem Kreis benötigt werden, damit wir eine Stellungnahme einfordern können und damit wir die Dringlichkeit unseres Anliegens deutlich machen.

Letzten Endes entscheidet der Kreis über den Bau der Ställe.
Deshalb bitten wir alle Bürgerinnen und Bürger, die Petition online zu unterzeichnen.

 

Persönliche Einwendungen

Die Unterschriften sind das erste wichtige Zeichen für den Landrat und die Gemeinde Enger – das andere sind die persönlichen Einwendungen. Sie haben noch mehr Gewicht als die alleinige Unterschrift. Das Genehmigungsverfahren sieht explizit die Öffentlichkeitsbeteiligung vor. Die Meinungen und Einwendungen der Bürgerinnen und Bürger stellen dabei ein wichtiges Gegengewicht zu den wirtschaftlichen Interessen dar. Sie können zu einer ausgewogeneren Entscheidungsfindung durch die Behörden beitragen.

Mit dieser Möglichkeit der Beteiligung kommt auch eine gewisse Verantwortung. Wer nämlich nicht rechtzeitig eine Einwendung erhebt, zeigt sich mit dem Bau der Ställe einverstanden. Spätere Einwendungen können nicht mehr berücksichtigt werden.

In Kürze stellen wir Informationen, wie so eine Einwendung aussehen kann, hier auf der Website und in einem Workshop zur Verfügung.

 

Das Förmliche Genehmigungsverfahren mit Öffentlichkeitsbeteiligung

Wer den Bau neuer Massentierhaltunganlagen verhindern will, muss das Genehmigungsverfahren einer solchen Mastanlage genau kennen und verstehen. Damit am Ende wirklich alle verstehen, welche Rolle

  • jeder Einzelne,
  • die Politik und
  • die Umweltverbände einnehmen

und auch welche Handlungsmöglichkeiten wir haben.

Alle wichtigen Informationen haben wir in einem separaten Beitrag zusammengefasst.
Hier geht es direkt zum Genehmigungsverfahren einer Hähnchenmastanlage.

Verschiedene Akteure und Teilnehmer:innen

Bei diesem brisanten Thema sind u. a. die Politik und die Landwirte wichtige Akteure. Verschiedene Vertreter aus diesen Bereichen, aber auch Umwelt- und Tierschutzverbände, luden wir für Redebeiträge und zur anschließenden gemeinsamen Diskussion ein. Fast alle sind unserer Einladung gefolgt. Die zuständige Person des Kreises, sowie der Landrat, konnten leider noch keine Stellung nehmen, weil das Verfahren noch nicht angelaufen ist.

Es folgten interessante Beiträge und Stellungnahmen folgender Personen:

Politik:
Bürgermeister Thomas Meyer

Regine Steffen und Maik Babenhauserheide (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Enger)
Sahra Karczewski (Ortsverbandsvorsitzende der SPD Enger)
Martin Lück und Nele Sophie Wilmking (Tierschutzpartei)
Berthold Dessin (FDP)

Landwirte:
Jochen Höner (Vorsitzender des Ortsverbandes Enger-Spenge des Westfälisch-Lippischen Landesverbandes)
Julius Install (junger Landwirt aus Enger und LsV Herford)

Umweltverbände:
Holger Stoppkotte (stellv. Kreisvorsitzender der BUND Kreisgruppe Herford)
Marianne Rautenberg (Vorstand der BUND Ortsgruppe Lage und Tierschutzorganisation)

Ein besonderer Dank gilt den beiden Landwirten Jochen Höner und Julius Install, die den Abend nicht nur durch ihre Stellungnahmen bereicherten. Sie berichteten über die Probleme und die aktuelle Lage der Landwirtschaft. Anschließend haben sie sich auch den Fragen der interessierten Teilnehmerinnen und Teilnehmern gestellt.

Eins wurde an diesem Abend deutlich: Wir benötigen eine klare Wende in der Landwirtschaft durch die Politik und die Landwirte. Und wir brauchen ein Umdenken der Verbraucherinnen und Verbraucher ebenso wie einen Handel, der ernsthafte Verantwortung übernimmt – damit unsere Landwirtschaft endlich enkeltauglich werden kann und uns und den Landwirten eine gute Zukunft sichert.

Das funktioniert aber nicht mit Massentierhaltung, die weder zukunftstauglich ist, noch das Leben der Menschen und Tiere achtet.
Das funktioniert nur gemeinsam, wenn alle ihren Part im Kreislauf einnehmen und verantwortungsvoll ausfüllen.

Deshalb werden wir als Bürgerinitiative weiterhin mit allen Akteuren in gemeinsamen Gesprächen nach guten, umsetzbaren Wegen suchen, um auch selber Teil der Lösung zu sein.

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