Landwirtschaft am Scheideweg - Leserbrief von Holger Stoppkotte

Auch der stellvertretende Kreisvorsitzende der BUND Kreisgruppe Herford Holger Stoppkotte sieht die Landwirtschaft gerade an einem Scheideweg und beschreibt die gravierenden Veränderungen in der Landwirtschaft innerhalb der letzten 100 Jahre und ihre Kehrseite.
Gleichwohl stellt er die wichtige Frage nach der Zukunft der jungen Landwirte.

Landwirtschaft am Scheideweg

Vor gerade einmal 100 Jahren konnte ein Landwirt durch Einsatz seiner gesamten Arbeitskraft vier Menschen ernähren, vor 50 Jahren waren es zehn und heute 123 Menschen (laut Geschäftsbericht der Rentenbank 2014). Diese unglaubliche Produktivitätssteigerung ging mit gewaltigen Fortschritten in der Bewirtschaftungstechnik, der Düngung, der Züchtung und des Pflanzenschutzes einher. Dabei konkurrieren die zunehmend spezialisierten Betriebe weltweit und das Überangebot am Markt verdirbt die Preise. Deutsche Landwirte können sich längst nur noch dank hoher EU-Subventionen am Weltmarkt behaupten, da andernorts mit Hilfe der Gentechnik oder in Riesenbetrieben von bis zu 100.000 ha, mit geringeren Umweltauflagen und niedrigeren Energie- und Lohnkosten noch billiger produziert wird.

Mittlerweile sollte aber jeder gemerkt haben, dass diese Entwicklung ihre Kehrseiten hat. Durch die optimierten Produktionsabläufe wächst kaum noch ein „Unkraut“ auf den Äckern, die Grünlandflächen werden bis zu sechsmal pro Jahr gemäht und enthalten nur noch wenige schnellwachsende Grasarten, die Fleischproduktion in immer größeren Ställen erfordert Antibiotika-Behandlungen und führt zu teilweise katastrophalen Haltungsbedingungen. Das Insektensterben, der Rückgang fast aller heimischen Arten unserer Agrarlandschaft und erhöhte Nitratwerte im Grundwasser sind deutliche Alarmsignale.

Was nun? Ein „weiter so“ kann es nicht geben. Wir Verbraucher müssen gemeinsam mit den Landwirten die Weichen für die Zukunft stellen. Regional vermarktete Lebensmittel, die nachhaltig produziert werden und mit fairen Preisen den Erzeugern ein auskömmliches Einkommen ermöglichen, müssen das Ziel sein. Die Nachfrage nach solchen Produkten steigt ständig, Beispiele für regionale Lebensmittellieferketten gibt es auch. EU-Subventionen müssten an diese Nachhaltigkeitsstandards gekoppelt werden und Freihandelsabkommen dürfen auf keinen Fall zulassen, dass Produkte ins Land kommen, die auf Kosten der Natur und zu Niedrigstlöhnen billig produziert wurden.

Was heißt das für einen jungen Landwirt in Enger? Die Entscheidung für die Massentierhaltung bindet ihn für mindestens 20 Jahre an den Zug, der die Landwirtschaft ins Abseits führt! Eine Abkehr der Verbraucher vom Billigfleischkonsum zeichnet sich ab und spätestens dann wird die Überproduktion zu einem weiteren Preisverfall führen, der den Landwirt in den Ruin treiben wird.

Darum wollen wir in Enger keinen Hähnchenmaststall für 80 000 Tiere!

Danke an Holger Stoppkotte für diese Ausführungen und für die Unterstützung. Er hatte diesen Text als Leserbrief verfasst und uns erlaubt, ihn auch hier zu veröffentlichen.

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