Landwirtschaft am Scheideweg - Leserbrief von Holger Stoppkotte

Auch der stellvertretende Kreisvorsitzende der BUND Kreisgruppe Herford Holger Stoppkotte sieht die Landwirtschaft gerade an einem Scheideweg und beschreibt die gravierenden Veränderungen in der Landwirtschaft innerhalb der letzten 100 Jahre und ihre Kehrseite.
Gleichwohl stellt er die wichtige Frage nach der Zukunft der jungen Landwirte.

Landwirtschaft am Scheideweg

Vor gerade einmal 100 Jahren konnte ein Landwirt durch Einsatz seiner gesamten Arbeitskraft vier Menschen ernähren, vor 50 Jahren waren es zehn und heute 123 Menschen (laut Geschäftsbericht der Rentenbank 2014). Diese unglaubliche Produktivitätssteigerung ging mit gewaltigen Fortschritten in der Bewirtschaftungstechnik, der Düngung, der Züchtung und des Pflanzenschutzes einher. Dabei konkurrieren die zunehmend spezialisierten Betriebe weltweit und das Überangebot am Markt verdirbt die Preise. Deutsche Landwirte können sich längst nur noch dank hoher EU-Subventionen am Weltmarkt behaupten, da andernorts mit Hilfe der Gentechnik oder in Riesenbetrieben von bis zu 100.000 ha, mit geringeren Umweltauflagen und niedrigeren Energie- und Lohnkosten noch billiger produziert wird.

Mittlerweile sollte aber jeder gemerkt haben, dass diese Entwicklung ihre Kehrseiten hat. Durch die optimierten Produktionsabläufe wächst kaum noch ein „Unkraut“ auf den Äckern, die Grünlandflächen werden bis zu sechsmal pro Jahr gemäht und enthalten nur noch wenige schnellwachsende Grasarten, die Fleischproduktion in immer größeren Ställen erfordert Antibiotika-Behandlungen und führt zu teilweise katastrophalen Haltungsbedingungen. Das Insektensterben, der Rückgang fast aller heimischen Arten unserer Agrarlandschaft und erhöhte Nitratwerte im Grundwasser sind deutliche Alarmsignale.

Was nun? Ein „weiter so“ kann es nicht geben. Wir Verbraucher müssen gemeinsam mit den Landwirten die Weichen für die Zukunft stellen. Regional vermarktete Lebensmittel, die nachhaltig produziert werden und mit fairen Preisen den Erzeugern ein auskömmliches Einkommen ermöglichen, müssen das Ziel sein. Die Nachfrage nach solchen Produkten steigt ständig, Beispiele für regionale Lebensmittellieferketten gibt es auch. EU-Subventionen müssten an diese Nachhaltigkeitsstandards gekoppelt werden und Freihandelsabkommen dürfen auf keinen Fall zulassen, dass Produkte ins Land kommen, die auf Kosten der Natur und zu Niedrigstlöhnen billig produziert wurden.

Was heißt das für einen jungen Landwirt in Enger? Die Entscheidung für die Massentierhaltung bindet ihn für mindestens 20 Jahre an den Zug, der die Landwirtschaft ins Abseits führt! Eine Abkehr der Verbraucher vom Billigfleischkonsum zeichnet sich ab und spätestens dann wird die Überproduktion zu einem weiteren Preisverfall führen, der den Landwirt in den Ruin treiben wird.

Darum wollen wir in Enger keinen Hähnchenmaststall für 80 000 Tiere!

Danke an Holger Stoppkotte für diese Ausführungen und für die Unterstützung. Er hatte diesen Text als Leserbrief verfasst und uns erlaubt, ihn auch hier zu veröffentlichen.

Möchtest du uns auch unterstützen?

Dann schreib uns gern eine E-Mail. Und unterstütze uns jetzt sofort, indem du die OpenPetition gegen die Massentierhaltung in Enger und anderswo unterzeichnest: https://www.bi-engeranerland.de/petition

Rückblick auf die Infoveranstaltung der Bürgerinitiative Engeraner Land am 28.12.2019

80 interessierte Bürgerinnen und Bürger folgten unserer Einladung zu der Informationsveranstaltung am Samstag, den 28.12.2019. Wir freuen uns, dass so viele Menschen Interesse an unserer Infoveranstaltung und der Bürgerinitiative Engeranerland hatten.
An dieser Stelle möchten wir uns bei dem SV Enger-Westerenger bedanken, dass wir diese Räumlichkeiten nutzen durften, und für seine Unterstützung.

Da an dem Termin zwischen den Jahren sicher nicht alle Interessierte teilnehmen konnten, möchten wir hier einen kleinen Rückblick geben und unsere eigenen Informationen allen zur Verfügung stellen.

Programm der Infoveranstaltung

  1. Ziele und Werte der Bürgerinitiative Engeraner Land
  2. Informationen zur OpenPetition
  3. Informationen zu persönlichen Einwendungen
  4. Informationen zum Genehmigungsverfahren
  5. Wortbeiträge verschiedener Akteure
  6. Diskussion mit zwei anwesenden Landwirte

Ziele und Werte der Bürgerinitiative Engeraner Land

Als wir Anfang Dezember die Bürgerinitiative gründeten, stand für uns ganz klar fest, dass wir dem Leid der Tiere in der Massentierhaltung ein Ende bereiten wollen. Diese Art der Tierhaltung ist aufgrund der immer größer werdenden ökologischen Probleme nicht mehr hinnehmbar.

Wir haben kritische Fragen in Bezug auf den Mastbetrieb bzw. die Massentierhaltung in Enger:

  • Welchen Einfluss hat der Mastbetrieb auf die Immobilienpreise?
  • Welche Gesundheitsschäden sind u.a. durch die erhöhte Feinstaubbelastung zu befürchten?
  • Steigt die Gefahr der Antibiotikaresistenzen?
  • Nimmt die Nitratbelastung des Trinkwassers noch weiter zu?
  • Wie oft müssen wir mit einer Geruchsbelästigung rechnen?
  • Wie wirkt sich der Mastbetrieb wirtschaftlich auf die bäuerliche Landwirtschaft aus?
  • Wie gefährdet sind unser Bolldammbach und der angrenzende Wald durch die Massentierhaltung?
  • Welche Auswirkungen sind auf das Landschafts- und Naturschutzgebiet sowie die dort lebenden Tiere zu erwarten?
  • Ist unsere Engeraner Feuerwehr für die Spezialaufgaben solch einer Massentierhaltung gerüstet?
  • Sind die Verkehrswege für das veränderte Verkehrsaufkommen geeignet? Oder muss der Steuerzahler die eventuell anfallenden baulichen Veränderungen tragen?
  • Wie stark wird der LKW-Verkehr in Enger zunehmen?

Die Erde kann ganz gut ohne uns, aber wir nicht ohne die Erde. Dafür müssen wir die Natur, die Umwelt und die Tiere schützen.

Es gibt vier wichtige Akteure, die Einfluss auf die Situation nehmen können: Die Politik, die Landwirte, der Handel und der Verbraucher!

Unserer Meinung nach hat die Politik eine zentrale Schlüsselrolle und muss die Agrarwende einläuten, um den ökologischen Problemen zu begegnen und den Landwirten eine zukunftsfähige sowie existenzsichernde Landwirtschaft zu ermöglichen.
Die Landwirte müssen umdenken. Und der Handel muss klarer deklarieren und gute Produkte forcieren.

Aber der Verbraucher, heutige und zukünftige Generationen, müssen über die Art und Weise ihres Konsums nachdenken und zum Umdenken motiviert werden!

 

 

Momentan steht eins fest: Der Stall wird gebaut, wenn nicht in Enger, dann anderswo! Es sei denn der Fleischkonsum insbesondere der Hähnchenverzehr sinkt drastisch! Das liegt in der Hand jedes einzelnen Verbrauchers! Also bei uns!

Wir, die Bürgerinitiative Engeranerland, müssen ein deutliches Zeichen gegen die Massentierhaltung und für eine Agrarreform setzen – für eine enkeltaugliche Landwirtschaft. Denn eine auf Masse ausgerichtete Landwirtschaft kann nicht gut für Mensch, Tier, Umwelt und Natur sein. Bäuerliche, vielfältige und nachhaltige Landwirtschaft zur Erhaltung der Biodiversität ist unserer Meinung nach die Lösung.

Die OpenPetition

Um unseren Forderungen Ausdruck zu verleihen, brauchen wir Unterstützung! Wir sammeln für ein erstes Zeichen online Unterschriften, um sie dem Landrat vorzulegen. Wir benötigen vor allem aus dem Kreis Herford 2.100 Unterschriften für das sogenannte Quorum.

Dieses Quorum gibt an, wie viele Unterschriften aus unserem Kreis benötigt werden, damit wir eine Stellungnahme einfordern können und damit wir die Dringlichkeit unseres Anliegens deutlich machen.

Letzten Endes entscheidet der Kreis über den Bau der Ställe.
Deshalb bitten wir alle Bürgerinnen und Bürger, die Petition online zu unterzeichnen.

 

Persönliche Einwendungen

Die Unterschriften sind das erste wichtige Zeichen für den Landrat und die Gemeinde Enger – das andere sind die persönlichen Einwendungen. Sie haben noch mehr Gewicht als die alleinige Unterschrift. Das Genehmigungsverfahren sieht explizit die Öffentlichkeitsbeteiligung vor. Die Meinungen und Einwendungen der Bürgerinnen und Bürger stellen dabei ein wichtiges Gegengewicht zu den wirtschaftlichen Interessen dar. Sie können zu einer ausgewogeneren Entscheidungsfindung durch die Behörden beitragen.

Mit dieser Möglichkeit der Beteiligung kommt auch eine gewisse Verantwortung. Wer nämlich nicht rechtzeitig eine Einwendung erhebt, zeigt sich mit dem Bau der Ställe einverstanden. Spätere Einwendungen können nicht mehr berücksichtigt werden.

In Kürze stellen wir Informationen, wie so eine Einwendung aussehen kann, hier auf der Website und in einem Workshop zur Verfügung.

 

Das Förmliche Genehmigungsverfahren mit Öffentlichkeitsbeteiligung

Wer den Bau neuer Massentierhaltunganlagen verhindern will, muss das Genehmigungsverfahren einer solchen Mastanlage genau kennen und verstehen. Damit am Ende wirklich alle verstehen, welche Rolle

  • jeder Einzelne,
  • die Politik und
  • die Umweltverbände einnehmen

und auch welche Handlungsmöglichkeiten wir haben.

Alle wichtigen Informationen haben wir in einem separaten Beitrag zusammengefasst.
Hier geht es direkt zum Genehmigungsverfahren einer Hähnchenmastanlage.

Verschiedene Akteure und Teilnehmer:innen

Bei diesem brisanten Thema sind u. a. die Politik und die Landwirte wichtige Akteure. Verschiedene Vertreter aus diesen Bereichen, aber auch Umwelt- und Tierschutzverbände, luden wir für Redebeiträge und zur anschließenden gemeinsamen Diskussion ein. Fast alle sind unserer Einladung gefolgt. Die zuständige Person des Kreises, sowie der Landrat, konnten leider noch keine Stellung nehmen, weil das Verfahren noch nicht angelaufen ist.

Es folgten interessante Beiträge und Stellungnahmen folgender Personen:

Politik:
Bürgermeister Thomas Meyer

Regine Steffen und Maik Babenhauserheide (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Enger)
Sahra Karczewski (Ortsverbandsvorsitzende der SPD Enger)
Martin Lück und Nele Sophie Wilmking (Tierschutzpartei)
Berthold Dessin (FDP)

Landwirte:
Jochen Höner (Vorsitzender des Ortsverbandes Enger-Spenge des Westfälisch-Lippischen Landesverbandes)
Julius Install (junger Landwirt aus Enger und LsV Herford)

Umweltverbände:
Holger Stoppkotte (stellv. Kreisvorsitzender der BUND Kreisgruppe Herford)
Marianne Rautenberg (Vorstand der BUND Ortsgruppe Lage und Tierschutzorganisation)

Ein besonderer Dank gilt den beiden Landwirten Jochen Höner und Julius Install, die den Abend nicht nur durch ihre Stellungnahmen bereicherten. Sie berichteten über die Probleme und die aktuelle Lage der Landwirtschaft. Anschließend haben sie sich auch den Fragen der interessierten Teilnehmerinnen und Teilnehmern gestellt.

Eins wurde an diesem Abend deutlich: Wir benötigen eine klare Wende in der Landwirtschaft durch die Politik und die Landwirte. Und wir brauchen ein Umdenken der Verbraucherinnen und Verbraucher ebenso wie einen Handel, der ernsthafte Verantwortung übernimmt – damit unsere Landwirtschaft endlich enkeltauglich werden kann und uns und den Landwirten eine gute Zukunft sichert.

Das funktioniert aber nicht mit Massentierhaltung, die weder zukunftstauglich ist, noch das Leben der Menschen und Tiere achtet.
Das funktioniert nur gemeinsam, wenn alle ihren Part im Kreislauf einnehmen und verantwortungsvoll ausfüllen.

Deshalb werden wir als Bürgerinitiative weiterhin mit allen Akteuren in gemeinsamen Gesprächen nach guten, umsetzbaren Wegen suchen, um auch selber Teil der Lösung zu sein.

Genehmigungsverfahren einer Hähnchenmastanlage

Wer den Bau neuer Massentierhaltunganlagen verhindern will, muss das Genehmigungsverfahren einer solchen Mastanlage genau kennen und verstehen. Damit am Ende wirklich alle verstehen, welche Rolle

  •  jeder Einzelne,
  • die Politik und
  • die Umweltverbände einnehmen

und auch welche Handlungsmöglichkeiten wir haben.

Dabei gibt es eine sehr bittere Pille zu schlucken: Die zuständige Genehmigungsbehörde hat keinen Ermessensspielraum. Wenn die Genehmigungsvoraussetzungen erfüllt werden, muss die Behörde den Antrag genehmigen. Hält sich der Antragsteller an alle Vorgaben und Voraussetzungen, dann haben wir und die Behörde erstmal wenig Möglichkeiten.

Auch dann, wenn eigentlich allen Beteiligten klar ist, dass die Zustände für die Tiere in solchen Anlagen grausam sind. Hier folgen jetzt ein paar Bilder aus einer Mastanlage, die Animal Equality aufgenommen und uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat.
Wir zeigen diese Bilder, damit wirklich jeder hier weiß, worüber wir eigentlich die ganze Zeit sprechen.

Zustände in einem Hähnchenmaststall
Zustände in einem Hähnchenmaststall Zustände in einem Hähnchenmaststall

Diese Bilder zeigen ein wenig von dem Leid in solchen Anlagen. Aber Achtung Spoileralarm: Mit diesem Tierleid können wir in dem Genehmigungsverfahren nicht gewinnen.

Um das Tierleid zu verhindern, kann und muss jeder jeden Tag aktiv werden und bewusst den Fleischkonsum drastisch reduzieren. Eine stark sinkende Nachfrage wird die Produktionszahlen schnell herunterschrauben.

Aktuelle Faktenlage für Enger

Aber um nun den Bau der Anlage zu verhindern, müssen wir uns die Faktenlage ansehen:
Nach dem aktuellen Stand ist ein Mastbetrieb mit 2 Anlagen für jeweils 40.000 Hähnchen pro Mastzyklus geplant.

Bei dieser Größenordnung ist die Anlage genehmigungsbedürftig nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz.
Es gibt 3 unterschiedliche Genehmigungsverfahren. Von Glück darf man nicht sprechen, aber aufgrund der Anlagengröße kommt hier das Förmliche Genehmigungsverfahren nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz mit Öffentlichkeitsbeteiligung zum Tragen. Das ist das einzige Verfahren, bei dem die Öffentlichkeit beteiligt wird. Aus gutem Grund. Bei den anderen beiden Verfahren kann und darf sich die Öffentlichkeit nicht beteiligen.

Zuständig ist die Untere Immissionsschutzbehörde des Kreises Herford. Es werden andere Behörden außerhalb und innerhalb der Kreisverwaltung in dem Verfahren beteiligt

  • z.B. die Stadt Enger
  • die Bezirksregierung Detmold wg. Arbeitsschutz, Naturschutz,
  • die Bauverwaltung
  • das Veterinäramt und
  • die Wasserbehörde

Zusätzlich zu diesem Genehmigungsverfahren läuft parallel eine Umweltverträglichkeitsprüfung.

Öffentlichkeitsbeteiligung

Der Kern des Genehmigungsverfahrens ist die Öffentlichkeitsbeteiligung, die nach festgelegten Regeln abläuft.

Diese Öffentlichkeitsbeteiligung gliedert sich in 3 Schritte:

1. Öffentliche Bekanntmachung

Der erste Schritt umfasst die öffentliche Bekanntmachung.
Sie erfolgt in der Regel, nachdem der Antrag auf Vollständigkeit geprüft wurde. Die Behörde bestätigt die Vollständigkeit und macht den Antrag dann bekannt.
Dafür nutzt sie

  • das amtliche Bekanntmachungsblatt
  • die Engeraner Tageszeitungen und
  • die eigene Website

Danach folgt die öffentliche Auslegung der Unterlagen in der Stadtverwaltung Enger, der Kreisverwaltung Herford und auf der Website des Kreises.
Die Unterlagen können 4 Wochen lang eingesehen werden.

2. Einwendungen

Im zweiten Schritt der Öffentlichkeitsbeteiligung geht es um persönliche und schriftliche Einwendungen aller Bürgerinnen und Bürger, die sich von der Anlage betroffen fühlen.
Wichtig ist hier, dass die Frist für diese Einwendungen exakt eingehalten wird. Nur Einwendungen, die bis zu zwei Wochen nach der Auslegungsfrist erhoben werden, können berücksichtigt und am Verfahren beteiligt werden.
Dazu werden wir einen Workshop anbieten, um zu zeigen, wie so eine Einwendung aussehen sollte.

3. Erörterungstermin

Im dritten Schritt folgt dann ein Erörterungstermin, bei dem die vorgebrachten Einwendungen mit dem Antragsteller erörtert werden. Hier können auch Fragen an den Landwirt gestellt werden, die dieser dann beantwortet.
Die Behörde ist bei diesem Termin nur Moderator und bleibt neutral.

Der Erörterungstermin ist öffentlich, alle Interessierten können also teilnehmen und zuhören. Sprechen dürfen nur diejenigen, die eine Einwendung rechtzeitig erhoben haben.
Es besteht aber keine Anwesenheitspflicht, wenn man eine Einwendung erhoben hat. Die Punkte werden auch bei Abwesenheit erörtert.

Danach erfolgt dann die Prüfung aller Unterlagen und Einwendungen durch die zuständige Genehmigungsbehörde, die kein Ermessen hat. Das heißt, dass die Genehmigung erteilt werden muss, wenn alle Genehmigungsvoraussetzungen erfüllt werden.

Der Bescheid wird dann dem Antragsteller zugestellt. Nun haben Antragsteller und Einwender die Möglichkeit, Rechtsmittel gegen diesen Bescheid einzulegen. Hierfür bleibt eine Frist von einem Monat. Danach ist der Bescheid unanfechtbar. Besonderes Klagerecht haben hier die Umweltverbände.

Rolle der Standortgemeinde

Kommen wir nun zu der Rolle der Standortgemeinde – also der Stadt Enger.Die Gemeinde wird seitens der Genehmigungsbehörde um ihr Einvernehmen ersucht.
Wenn eine Gemeinde innerhalb einer Zweimonatsfrist ihr Einvernehmen nicht versagt, gilt es automatisch als erteilt. Sagt die Stadt also nicht NEIN, sagt sie automatisch JA.

Die Entscheidung über die Versagung des Einvernehmens muss in der Regel durch den Stadtrat getroffen werden.
Es geht dabei nicht um eine politische Entscheidung. Die Gemeinde hat die Befugnis, alle Fragen der Genehmigungsvoraussetzungen zu überprüfen und für sich zu bewerten.

Das sind Punkte wie:

  • potentielle Umwelteinwirkungen (Gerüche, Lärm)
  • Belange des Natur- und Artenschutzes
  • die natürliche Eigenart der Landschaft
  • mögliche Beeinträchtigungen des Erholungswerts
  • mögliche Verunstaltung des Orts- und Landschaftsbilds
  • mögliche Wertverluste
  • Vollständigkeit der Unterlagen

Rolle der Umweltverbände

Als weiteren Akteuren fällt den Umweltverbänden eine besondere Rolle zu, da sie ihre Expertisen in das Verfahren einbringen können und auch einbringen sollten. Außerdem haben sie bessere und umfassendere Klagerechte als betroffene Privatpersonen.

Wichtiges Fazit

Die Öffentlichkeitsbeteiligung ist eine große Chance, sich in diesem Verfahren zu beteiligen und die eigenen Einwendungen – von denen es viele sehr persönliche und individuelle gibt – vorzutragen. Absolut wichtig ist es aber, die Fristen sehr genau einzuhalten. Alle Einwendungen, die nach Verstreichen der Frist eingereicht werden, können nicht mehr beteiligt werden. Und keine Einwendung einzureichen kommt einer Zustimmung zu dem Bau der Anlage gleich.

Hier auf der Website und über unsere Social Media-Kanäle werden wir sofort über die konkreten Fristen und Workshop-Termine informieren. Also folge uns weiterhin, um am Ball zu bleiben und nichts zu verpassen.

Jetzt schon handeln

Bis es soweit ist, unterzeichne jetzt schon mal unsere OpenPetition gegen die Massentierhaltung in Enger und anderswo, mit der wir dem Landrat des Kreises Herford deutlich zeigen wollen, dass wir und sehr viele andere Menschen ganz klar NEIN sagen zu solchen Anlagen.


 

Alle Informationen stammen aus dem BUND Leitfaden gegen Massentierhaltung.

Um den Bau eines Hähnchenmastbetriebs zu verhindern, braucht es eine breite Unterstützung aus der Bevölkerung, die sich klar und deutlich gegen Massentierhaltung ausspricht. Deshalb hat uns ein Leserbrief in der Neue Westfälischen am 19.12.2019 ganz besonders gefreut. Denn in diesem Text spricht Holger Grabbe aus dem Vorstand des bildungspolitischen Vereins „una terra“ der Bürgerinitiative Engeraner Land seine Unterstützung aus vollstem Hähnchenherzen aus. Können wir mehr wollen?

Was er schreibt, berührt uns sehr. Deshalb freuen wir uns, dass wir seinen Text auch hier veröffentlichen dürfen.

Leserbrief von Holger Grabbe

Jedem sein „poule au pot“. Das war ein Versprechen Ludwigs des XIV, der auch seinen ärmeren Untertanen einen Hahn im Topfe ermöglichen wollte – er hatte wohl wöchentlich gedacht… Vor einer Revolution hat es ihn auch nicht geschützt.

Nun scheint die Nachfrage vor allem nach Hähnchenbrust heute so gestiegen zu sein, dass sich Mastanlagen für 80.000 Hühner auch als Zukunftsinvestition noch zu lohnen scheinen. Anders ist ein solches Anliegen eines Engeraner Landwirts – wie aus der Presse ersichtlich – wohl nicht zu verstehen. Er ist sicher pfiffig genug, eventuelle rechtliche Bedenken aushebeln zu können und die Engeraner Agrarindustrie um ein zukunftsträchtiges Beispiel zu erweitern.

Denn so scheint Agrarindustrie als Tierproduktion für billige Fleischerzeugung auch für die Zukunft immer noch auszusehen: Instrumentalisierung des (tierischen) Lebens mit all seinen unwürdigen und problematischen Nebenerscheinungen, die jedem, auch dem Landwirt, bekannt sind (Antibiotikabelastung, Boden- und Wasserbelastung durch Exkremente, Zerstörung außereuropäischer Erzeugermärkte durch dortige Restentsorgung usw.).

Dass dies immer noch rechtlich gedeckt ist, ist politisch unglaublich und empörend. Dass hier nur moralische Appelle an Nachhaltigkeit und Zukunftsverantwortung übrig bleiben, ist erschreckend und deprimierend.

Vor über 40 Jahren haben wir in Enger den bildungspolitischen Verein „una terra“ gegründet, um in Projekten und Aktionen für eine lebbare Welt einzutreten und verantwortungslose Macher, egoistische Konsumenten und lahmarschige Politik nicht in Ruhe gewähren zu lassen. Ich, als Vorstandsmitglied dieses Vereins und ehemaliger Hochschullehrer an der Uni Bielefeld, der schon vor 20 bis 30 Jahren Projekte zum Huhn und seiner Zukunft durchgeführt hat, unterstütze die Bürgerinitiative Engeraner Land aus vollstem Hähnchenherzen.

 

Danke an Holger Grabbe für diese Zeilen und für diese besondere Unterstützung.

Möchtest du uns auch unterstützen?

Dann schreib uns gern eine E-Mail. Und unterstütze uns jetzt sofort, indem du die OpenPetition gegen die Massentierhaltung in Enger und anderswo unterzeichnest: https://www.bi-engeranerland.de/petition

 


(Foto von pixabay)

 

Auch wenn Enger ein kleines Städtchen ist, kannten die Ratsmitglieder spätestens nach den Aktionen der Fridays for Future Enger und den Parents4Future einige Mahnwachen direkt vor dem Rathaus. Und auch wenn die Demonstration am 14.12.2019 einen Vorgeschmack auf das Interesse für dieses Thema geboten hat, so dürften die Ratsmitglieder am Montagabend aufgrund der Menschentraube durchaus überrascht gewesen sein.

Großes Interesse und Zuspruch

Denn mit einem so großen Interesse und Zuspruch für unseren Protest haben die Lokalpolitiker:innen sicher nicht gerechnet.

Die Stimmung war phänomenal. Die genaue Personenzahl war aufgrund der einsetzenden Dunkelheit schwer zu schätzen. Wir schätzen, dass es ca. 80-100 Personen waren, die lautstark unsere Parolen zum Besten gaben:

 

Keime, Dreck und Hähnenknast – Stoppt die Hähnchenmast!

Hähnchenmast in Enger – NEIN! – Lasst den Bau der Ställe sein!

Was regt sich in Enger? – Widerstand, Widerstand, Widerstand!

 

Für besondere Aufregung hat ein Anruf der WDR Lokalzeit kurz vor der Mahnwache bei den Gründerinnen der Bürgerinitiative gesorgt. Ganz spontan hat sich ein Kameramann angemeldet, weil er Bilder von der Mahnwache und einen O-Ton unserer Sprecherin Mareike Glatzel aufnehmen wollte. Und zwar wirklich fürs Fernsehen.

Eine Woche nach der Gründung der Bürgerinitiative haben wir es mit diesem sehr brisanten Thema ins Fernsehen geschafft.
Zu sehen ist der kurze Bericht hier ab Minute 15:33: WDR Lokalzeit OWL Kompakt

 

Die ersten interessierten Bürgerinnen und Bürger aus Enger und Umgebung mobilisieren und auf die laufenden Pläne zum Bau zweier Hähnchenmastanlagen in Enger aufmerksam  machen – das war der Plan kurz nach der Gründung der Bürgerinitiative Engeraner Land. Gesagt, geplant, getan.

Am Samstag, den 14.12.2019 fand in Enger die erste Demonstration gegen Massentierhaltung in Enger und anderswo statt. Und trotz der sehr kurzen Mobilisierungsphase von gut einer Woche hat das Thema einen echten Nerv getroffen.

Voller Erfolg – tolle Teilnehmerzahl

165 Menschen aus Enger, Bünde, Herford und Bielefeld haben sich um 10:00 Uhr am Skatepark an der Wertherstraße in Enger versammelt, um gemeinsam ein klares Zeichen zu setzen und bis kurz vor die Grundstücksgrenzen zu gehen, wo die beiden Mastanlagen für jeweils 40.000 Hähnchen pro Mastzyklus geplant sind.

 

Trotz Wind, Regen und Wetter haben alle tapfer durchgehalten. Es gab Reden von Mareike Glatzel und Katharina Urban, sowie Herrn Uffman vom BUND und Hannah Bultmann von den Fridays for Future Enger.

Die Bürgerintitiative Engeraner Land sagt:

Herzlichen Dank an alle Teilnehmer:innen! Ihr seid spitze! Es ist klasse, dass ihr uns so tatkräftig unterstützt.